Infrarotheizung: Stromverbrauch, Kosten und wann sie sich lohnt

Eine Infrarotheizung erzeugt Strahlungswärme, die Wände, Möbel und Körper direkt erwärmt statt der Raumluft. Aus einer Kilowattstunde Strom entsteht eine Kilowattstunde Wärme. Die Geräte kosten 200 bis 800 Euro pro Paneel, der Betrieb liegt bei rund 37 Cent pro Betriebsstunde bei 1.000 Watt (Stand 2026).

📋 Kurz zusammengefasst

Die Infrarotheizung wärmt über Strahlung statt über die Luft und reagiert dadurch schnell. Der Leistungsbedarf beträgt 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter je nach Dämmung. Ein Paneel kostet 200 bis 800 Euro, eine Betriebsstunde bei 1.000 Watt rund 37 Cent. Als Zusatzheizung in gut gedämmten, wenig genutzten Räumen ist sie günstig und wartungsarm. Als alleinige Heizung eines schlecht gedämmten Altbaus wird sie wegen des hohen Strompreises teuer.

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Eine Infrarotheizung ist ein Elektroheizgerät, das Strom in langwellige Infrarotstrahlung umwandelt. Diese Strahlung erwärmt feste Körper und Oberflächen direkt — Wände, Boden, Möbel und Menschen — statt zuerst die Raumluft. Das Prinzip gleicht der Wärme der Sonne auf der Haut.

Klassische Heizkörper arbeiten mit Konvektion: Sie erhitzen die Luft, die aufsteigt und zirkuliert. Die Infrarotheizung nutzt Strahlungswärme, die verlustarm den direkten Weg zum Objekt nimmt. Erwärmte Wände geben die Wärme anschließend gleichmäßig an den Raum ab und wirken einer feuchten, kalten Wandoberfläche entgegen.

Drei Bauformen dominieren den Markt: Glaspaneele, Metallpaneele und Spiegel- oder Bildheizungen. Glaspaneele fügen sich optisch in Wohnräume ein, Metallpaneele heizen am schnellsten auf, Spiegelheizungen verhindern beschlagene Bäder. Alle drei erreichen Oberflächentemperaturen von 80 bis 120 Grad Celsius.

Wie hoch ist der Stromverbrauch einer Infrarotheizung?

Der Leistungsbedarf einer Infrarotheizung beträgt 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter, abhängig von der Dämmung. Ein gut gedämmter 20-Quadratmeter-Raum braucht rund 1.200 bis 1.400 Watt, ein Altbau mit gleicher Fläche bis zu 2.000 Watt. Der Wirkungsgrad am Gerät liegt bei 100 Prozent.

Der 100-Prozent-Wirkungsgrad bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom entsteht genau eine Kilowattstunde Wärme, nicht mehr und nicht weniger. Bei einem deutschen Haushaltsstrompreis von rund 37 Cent pro Kilowattstunde (BDEW, Stand 2026) kostet eine Betriebsstunde konkret: ein 700-Watt-Gerät rund 26 Cent, ein 1.000-Watt-Gerät rund 37 Cent.

Der reale Verbrauch hängt an der Laufzeit, nicht an der Nennleistung. Ein Thermostat schaltet das Paneel ab, sobald die Zieltemperatur erreicht ist. In gut gedämmten Räumen läuft die Heizung nur 30 bis 50 Prozent der Zeit unter Volllast. Genau diese Taktung entscheidet über die Jahresrechnung.

Was kostet eine Infrarotheizung in Anschaffung und Betrieb?

Ein einzelnes Infrarotpaneel kostet 200 bis 800 Euro, die Komplettausstattung eines Einfamilienhauses 4.000 bis 7.000 Euro. Die Anschaffung liegt damit 30 bis 70 Prozent unter der einer Wärmepumpe oder Gasheizung. Die Betriebskosten sind wegen des Strompreises jedoch höher.

PositionKostenrahmenHinweis
Einzelpaneel200–800 €Je nach Leistung und Bauform
Komplettes Einfamilienhaus4.000–7.000 €Mehrere Paneele plus Thermostate
Betriebsstunde 700 Wca. 0,26 €Bei 37 ct/kWh
Betriebsstunde 1.000 Wca. 0,37 €Bei 37 ct/kWh
Montage pro Paneel50–150 €Wandmontage, Steckdose vorhanden
Kosten einer Infrarotheizung, Richtwerte Deutschland, Stand 2026.

Die Rechnung dreht sich mit dem Wärmebedarf. In einem gut gedämmten Neubau mit geringem Bedarf bleibt die Stromrechnung überschaubar. In einem ungenutzten Gästezimmer, das nur wenige Stunden pro Woche geheizt wird, schlägt die niedrige Anschaffung die höheren Betriebskosten. Eine gute Alternative für punktuelle Wärme ist auch der Heizlüfter, dessen Stromverbrauch und Sicherheit der Beitrag Heizluefter 2026: Stromverbrauch, Sicherheit und Kaufberatung erklärt.

Für wen lohnt sich eine Infrarotheizung?

Eine Infrarotheizung lohnt sich als Zusatzheizung in gut gedämmten, selten genutzten Räumen. Badezimmer, Homeoffice, Wintergarten und Gästezimmer sind die idealen Einsatzorte. Als alleinige Heizung eines schlecht gedämmten Altbaus wird sie wegen des hohen Strompreises zur Kostenfalle.

Vier Faktoren sprechen für die Infrarotheizung: eine gute Gebäudedämmung, ein geringer oder punktueller Wärmebedarf, das Fehlen eines Wasserheizsystems und eine eigene Photovoltaikanlage. Wer den Strom vom eigenen Dach nutzt, senkt die Betriebskosten deutlich und verschiebt die Wirtschaftlichkeit klar ins Plus.

Gegen die Infrarotheizung als Hauptheizung sprechen hohe Wärmebedarfe und schlechte Dämmung. Ein unsanierter Altbau verliert die erzeugte Wärme schneller, als die Paneele sie nachliefern. Die Heizung läuft dann dauerhaft unter Last, und der Strompreis von 37 Cent multipliziert sich zu einer Rechnung deutlich über der einer Wärmepumpe.

💡 Expert Insight

Der entscheidende Rechenfehler passiert beim Vergleich der Energiepreise. Eine Kilowattstunde Strom kostet rund 37 Cent, eine Kilowattstunde Gas nur etwa 11 Cent und eine Wärmepumpe liefert aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Der 100-Prozent-Wirkungsgrad der Infrarotheizung klingt perfekt, verliert aber gegen die Arbeitszahl der Wärmepumpe. Die Infrarotheizung gewinnt nicht beim Preis pro Kilowattstunde, sondern bei niedriger Anschaffung, null Wartung und schneller Spürbarkeit — also genau dort, wo wenig und selten geheizt wird.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Infrarotheizung?

Die Infrarotheizung punktet mit niedriger Anschaffung, einfacher Montage und schneller Wärme, schwächelt aber bei den Betriebskosten. Fünf Vorteile und drei Nachteile bestimmen die Kaufentscheidung. Der größte Nachteil ist der hohe Strompreis pro Kilowattstunde.

  • Niedrige Anschaffung: 200 bis 800 Euro pro Paneel, keine teure Wasserinstallation
  • Einfache Montage: Wandbefestigung und Steckdose genügen
  • Schnelle Wärme: spürbare Strahlung binnen Minuten
  • Wartungsfrei: keine beweglichen Teile, kein Schornsteinfeger
  • Behagliche Strahlungswärme: gleichmäßig, ohne Luftzug und Staubaufwirbelung
  • Hohe Betriebskosten: Strom ist die teuerste Energieform pro Kilowattstunde
  • Ungeeignet als Hauptheizung: nur bei sehr guter Dämmung wirtschaftlich
  • Netzbelastung: hoher Strombedarf im Winter ohne eigene Photovoltaik

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Beim Kauf entscheiden Leistung, Thermostat, Oberfläche und Prüfzeichen. Die Leistung richtet sich nach 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter, ein programmierbares Thermostat senkt den Verbrauch, und ein GS- oder CE-Zeichen belegt die elektrische Sicherheit. Diese vier Kriterien trennen ein gutes Gerät vom teuren Fehlkauf.

Das Thermostat ist der größte Kostenhebel. Ein einfaches Steckdosen-Thermostat regelt bereits nach Raumtemperatur, ein programmierbares Modell schaltet nach Zeitplan und spart in der Praxis 10 bis 25 Prozent Strom. Wer die Grundlagen der Thermostatregelung verstehen will, findet sie im Beitrag Heizkoerperthermostat einstellen: Zahlen verstehen und Heizkosten sparen.

Die Oberfläche bestimmt Optik und Reinigung. Glaspaneele wirken hochwertig und lassen sich leicht abwischen, Metallpaneele heizen schneller auf. Achten Sie auf einen Überhitzungsschutz und eine feste Wandmontage außer Reichweite kleiner Kinder, da die Oberfläche 80 bis 120 Grad heiß wird. In feuchten Räumen ergänzt ein Luftentfeuchter die Heizung sinnvoll.

💬 Meine Einschätzung

Die gängige Werbeaussage lautet: 100 Prozent Wirkungsgrad, also die effizienteste Heizung. Diese Zahl führt in die Irre. Wirkungsgrad und Kosten sind zwei verschiedene Dinge. Eine Infrarotheizung verwandelt Strom vollständig in Wärme, aber Strom ist mit 37 Cent pro Kilowattstunde die teuerste Energieform im Haus. Der ehrliche Maßstab ist nicht der Wirkungsgrad, sondern der Preis pro geheiztem Quadratmeter und Jahr. Genau dort schlägt eine Infrarotheizung nur, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: gute Dämmung, geringe Heizdauer und idealerweise eigener Solarstrom. Wer diese drei Häkchen setzen kann, trifft eine gute Wahl. Wer den Altbau allein mit Paneelen beheizen will, zahlt drauf.

✓ Das Wichtigste in Kürze
  • Leistungsbedarf 60–100 Watt pro Quadratmeter je nach Dämmung
  • Betriebsstunde 700 W rund 26 Cent, 1.000 W rund 37 Cent bei 37 ct/kWh
  • Anschaffung 200–800 € pro Paneel, 4.000–7.000 € fürs Einfamilienhaus
  • Ideal als Zusatzheizung in gut gedämmten, selten genutzten Räumen
  • Programmierbares Thermostat spart 10–25 % Strom — wichtigstes Kaufkriterium

Häufige Fragen zur Infrarotheizung

Diese vier Fragen tauchen bei der Infrarotheizung regelmäßig auf. Sie ergänzen die Hauptkapitel um Detailaspekte zu Gesundheit, Photovoltaik und Trocknung.

Ist die Strahlung einer Infrarotheizung gesundheitsschädlich?

Infrarotheizungen geben langwellige Infrarot-C-Strahlung ab, dieselbe harmlose Wärmestrahlung wie ein Kachelofen oder die Sonne durch eine Fensterscheibe. Sie enthält keine UV-Anteile und gilt als unbedenklich. Die Wärme wird von vielen Menschen als besonders angenehm empfunden.

Lohnt sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik?

Mit eigenem Solarstrom sinken die Betriebskosten stark, weil der Strom vom Dach nur wenige Cent statt 37 Cent kostet. Das Problem ist der Zeitversatz: Die Heizung läuft im Winter und abends, die Photovoltaik liefert im Sommer und mittags. Ohne Speicher bleibt die Ersparnis daher begrenzt.

Trocknet eine Infrarotheizung feuchte Wände?

Die Strahlungswärme erwärmt die Wandoberfläche und hebt sie über den Taupunkt, was Kondensat und Schimmel an kalten Außenwänden vorbeugt. Einen echten Wasserschaden trocknet sie nicht; dafür sind Bautrockner nötig. Gegen normale Raumfeuchte wirkt sie unterstützend.

Wie viele Paneele braucht ein Raum?

Die Faustregel lautet 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter, aufgeteilt auf mehrere Paneele für eine gleichmäßige Verteilung. Ein 20-Quadratmeter-Wohnzimmer im Neubau benötigt zwei Paneele mit je 600 bis 700 Watt. Zwei kleinere Geräte heizen gleichmäßiger als ein großes.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Quellen liefern die Daten zu Verbrauch, Kosten und Strompreis. Sie wurden im August 2026 ausgewertet.

  • Infrarotheizung: Stromverbrauch und Kosten · bosch-homecomfort.com · Herstellerratgeber zu Leistungsbedarf und Betriebskosten.
  • Infrarotheizung Kosten: lohnt sich der Kauf · energieheld.de · Fachportal zu Anschaffung, Betrieb und Einsatzfällen.
  • Infrarotheizungen: Stromverbrauch und Kosten · buderus.de · Herstellerübersicht zu Wirkungsgrad und Verbrauch.
  • BDEW: Haushaltsstrompreis 2026 bei 37,0 Cent pro kWh · rechnerportal.net · Aktueller Durchschnittspreis für Haushaltsstrom in Deutschland.
  • Kosten einer Infrarotheizung · heatness.de · Beispielrechnungen und Spartipps zum Betrieb.