Wespen vertreiben: Was wirklich hilft – und was verboten ist

Wespe fliegt am gedeckten Gartentisch neben einem abgedeckten Glas Saft

Kaum steht der Kuchen auf dem Gartentisch, sind sie da: Ab Juli werden Wespen in Deutschland zur Plage – und im August erreichen die Völker ihre größte Stärke. Wild um sich schlagen ist dabei die schlechteste Idee. Wir zeigen, welche Mittel Wespen wirklich vertreiben, welche Hausmittel eher Mythos sind und was rechtlich erlaubt ist.

Warum Wespen gerade jetzt so lästig sind

Von den hunderten Wespenarten in Deutschland interessieren sich nur zwei für unser Essen: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Ihre Völker wachsen den Sommer über und sind im August und September am größten – gleichzeitig wird die natürliche Nahrung knapper. Dann suchen die Tiere gezielt nach Zucker und Eiweiß: Kuchen, Saft, Grillfleisch. Alle anderen Arten, etwa Feld- und Lehmwespen oder die Hornisse, meiden den Menschen weitgehend.

Wespen vertreiben: Diese Mittel helfen wirklich

  1. Essen und Getränke abdecken: Der wirksamste Trick überhaupt. Was nicht duftet, lockt nicht an. Getränke mit Deckel oder Strohhalm schützen auch vor dem gefährlichen Stich in den Mund.
  2. Ablenkfütterung mit Abstand: Eine Schale mit überreifen Weintrauben 5–10 Meter vom Tisch entfernt lenkt einen Teil der Tiere ab. Wichtig: kein reiner Zuckersirup direkt neben dem Tisch – das lockt zusätzliche Wespen an.
  3. Wassernebel aus der Sprühflasche: Ein feiner Sprühstoß simuliert Regen – viele Wespen ziehen sich daraufhin zurück. Nicht direkt auf das Tier zielen, sondern in die Luft nebeln.
  4. Ätherische Öle: Wespen meiden intensive Gerüche wie Nelkenöl, Citronella, Teebaumöl oder Lavendel. Ein paar Tropfen auf einem Tuch oder in der Duftlampe rund um den Sitzplatz verteilen.
  5. Zitrone mit Gewürznelken: Der Klassiker unter den Hausmitteln – aufgeschnittene Zitrone, gespickt mit Nelken. Die Wirkung ist begrenzt und wissenschaftlich nicht belegt, als Ergänzung aber einen Versuch wert.
  6. Fliegengitter an Fenstern: Hält Wespen zuverlässig aus Küche und Wohnung, gerade wenn dort Obst liegt oder gekocht wird.
  7. Helle Kleidung, kein Parfüm: Bunte Muster und süße Düfte wirken auf Wespen wie eine Einladung. Auch Reste von Eis oder Saft an Kinderhänden und -mündern zügig abwischen.
MittelWirkungFazit
Abdecken von Essen & Getränkensehr hochPflicht – wirksamste Maßnahme
Ablenkfütterung (mit Abstand)mittelhilfreich bei Feiern
Wassersprühflaschemittelsanft und sofort einsetzbar
Ätherische Ölemittelgute Ergänzung im Sitzbereich
Zitrone mit NelkengeringHausmittel-Klassiker, Wirkung nicht belegt
Wespenfalle mit Lockstoffkontraproduktivtötet Tiere und lockt Nachschub an

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

  • Nicht pusten: Das Kohlendioxid in der Atemluft ist für Wespen ein Alarmsignal und macht sie aggressiv.
  • Nicht schlagen oder hektisch wedeln: Bedrängte Wespen stechen – und setzen dabei Alarmpheromone frei, die Artgenossen anlocken können.
  • Keine Lockstoff-Fallen aufstellen: Süße Fallen töten qualvoll, ziehen aber ständig neue Wespen an – das Problem wird größer statt kleiner.
  • Nester niemals selbst entfernen oder beschädigen – dazu unten mehr.

Was ist rechtlich erlaubt?

Wespen stehen wie alle wild lebenden Tiere unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 39 BNatSchG): Sie dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Für besonders geschützte Arten wie Hornissen gilt darüber hinaus § 44 BNatSchG – hier drohen je nach Bundesland Bußgelder bis in den fünfstelligen Bereich. Ein Wespennest am Haus darf deshalb nicht in Eigenregie entfernt werden: Ansprechpartner sind Schädlingsbekämpfer oder Imker, bei geschützten Arten die Untere Naturschutzbehörde. Gute Nachricht: Ein Wespenvolk lebt nur einen Sommer – im Spätherbst stirbt es ab, und das Nest wird nicht wieder besiedelt.

Wenn es doch passiert: Erste Hilfe beim Wespenstich

Ein Wespenstich ist schmerzhaft, für die meisten Menschen aber harmlos. Bewährt hat sich: Stichstelle kurz mit einem Hitzestift (ca. 50 °C) behandeln – die Wärme zersetzt Teile des Giftes – und anschließend kühlen. Bei Stichen im Mund- und Rachenraum, bei Atemnot, Schwindel oder Kreislaufproblemen (Anzeichen einer allergischen Reaktion) gilt: sofort den Notruf 112 wählen.

Häufige Fragen

Wann ist die Wespenzeit vorbei?

Die Hochphase dauert von Juli bis September. Mit den ersten kühlen Nächten im Oktober stirbt das Volk ab; nur die Jungköniginnen überwintern. Spätestens im November ist Ruhe.

Hilft Kaffee anzünden gegen Wespen?

Der Rauch von glimmendem Kaffeepulver vertreibt Wespen allenfalls kurzfristig aus der unmittelbaren Umgebung – ein zuverlässiger Schutz ist er nicht. Abdecken von Essen und Getränken bleibt deutlich wirksamer.

Darf ich eine einzelne Wespe töten?

Nach § 39 BNatSchG ist das Töten ohne vernünftigen Grund untersagt. In der Praxis wird das Erschlagen einer einzelnen Wespe kaum verfolgt – nötig ist es aber auch nicht: Vertreiben funktioniert besser und provoziert keine Stiche. Bei Hornissen ist das Töten ausdrücklich verboten und bußgeldbewehrt.

Was kostet die Entfernung eines Wespennests?

Eine fachgerechte Umsiedlung oder Entfernung durch den Schädlingsbekämpfer kostet meist zwischen 100 und 250 Euro, je nach Lage und Aufwand. Bei besonders geschützten Arten braucht es zusätzlich eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.

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